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Seit über 10 Jahren arbeiten Mick Vincenz und
ich zusammen. Der Anfang dieses Zusammenarbeitens
war meinerseits ein Hilferuf. Ein Museumsfotograf
hatte Fotos meiner Plastiken gemacht, die ich
nicht mochte, aber auch nicht recht sagen konnte
wie sie denn anders fotografiert werden sollten.
Der Transfer von einer Wirklichkeit in die Andere
erfordert, das ist banal und dennoch immer noch
wahr, eine Verwandlung in etwas Neues.
Künstler sind oft unzufrieden mit Abbildern
ihrer Bilder, - die ja eben schon Bilder sind.
Mick Vincenz war der erste Fotograf, den ich
erlebte, der sich jeder meiner Plastiken und
wie ich dann später sah, überhaupt jedem Gegenstand,
mit dem unbedingten Willen näherte, für ihn
ein eigenes Bild zu schaffen. Für Vincenz ist
sein Gegenüber immer die Forderung, dafür eine
spezifische Sprache zu finden und hierin ist
er virtuos. Alle technischen Möglichkeiten seines
Mediums stehen ihm hierfür immer zur Verfügung:
Ob der schnelle Kleinbildschuss mit groben Korn
im Raum mit wenig Licht oder die präzis bis
ins kleinste ausgeleuchtete Großbildkomposition,
Vincenz spielt immer mit allen Mitteln um zum
Bild zu kommen. Diese künstlerische Haltung-
ist Entscheidung. Eine Entscheidung als Fotograf
seine Identität , und die eigene Wiedererkennbarkeit
nicht in der Einschränkung der Mittel, in der
Reproduktion des gleichen Blicks auf verschiedene
Objekte zu suchen, sondern umgekehrt, gerade
die Verschiedenheit der Bilder zu suchen. Wissend,
dass eine bestimmte Qualität in der eigenen
Identität unausweichlich als eigener Blick enthalten
ist.

Installation
"Wildschweine / Wild Boar", Carl Emanuel
Wolff 23. Bienal / Biennale Sao Paulo 1996
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Vincenz`s
Identität wird sichtbar, in der Temperatur seiner
Bilder. Sie sind warm, kühl oder heiß und sprechen
immer vom Lebendigen - sie sind nie kalt.
Den
distanzierten Blick, der sein Gegenüber ganz
erschlossen hat oder der behauptet, dass es
so sei- so aussehe, verweigert er. Alle Bilder
wollen spannend, mit Spannung in sich und nicht
als Erklärung, als Behauptung gelesen werden.
Seit unserer Zusammenarbeit in Sao Paulo, hat
sich Vincenz`s fotografisches Konzept dahin
entwickelt, eine künstlerische Aussage-, eine
Erotik seiner Bilder-, konsequent nicht nur
im einzelnen Bild zu suchen sondern im Gegenüber
der verschiedenen Bilder, -links die Architekturaufnahme,
rechts ein Portraitdetail....- zwischen dem
vermeintlich Unvereinbaren entsteht die Musik.
Die einzelnen Fotos werden technisch mit Akribie
immer an ihre Grenzen gepeitscht: Das scharfe
Großbilddia muss "schärfer als scharf!" sein.
Am liebsten das einzelne Haar auf dem Billardfilz
und 6 Meter dahinter das Sandkorn im Mauerputz,
dagegen das diffuse, grobe Korn im verwitterten
Hochhaus, am Strand von Havanna, die Bildoberfläche
wird selbst morbid, man spürt das Wetter, im
Portraitschuss von Schneewittchen muss der Hintergrund
tiefschwarz, "schwärzer als schwarz" und die
Gase des Brautkleides fein davor sein.
Welche Bilder sich dann gegenüber stehen, entscheiden
nicht Inhaltlichkeiten-, wenn das Unterschiedliche
Eins wird und es dazwischen mal summt, mal knallt
und zum Schluss Hundert oder Zweihundert Bilder
Eins werden, ist das Ziel erreicht. Alle Bilder
haben dann ihre Bestimmung gefunden. Nicht mehr
und nicht weniger als Bilder und als ein Bild
geworden zu sein. Hier sind mir seine Fotos
besonders nah, man ahnt den Tod im warmen Leben.
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